Mutmacher

Läuft es bei euch nicht gut? Hier erzählen fünf Leute ihre Geschichten, die es auch nicht leicht hatten. Aber sie haben sich durchgekämpft und es geschafft. Sie wollen euch Mut machen und zeigen: Was wir geschafft haben, das könnt ihr auch!

Kristijan Marusić

Kristijan Marusić

30, Ingenieur

„Schule war überhaupt nicht mein Ding. Schon in der Grundschule gab`s Probleme: Ich war unruhig, habe mich oft geschlagen. _Auf der Elly-Heuss-Schule bin ich in der fünften Klasse direkt sitzen geblieben. Ich habe nichts gemacht, nur gestört.

„Mein Leben war wie eine Achterbahnfahrt. Es ging ständig auf und ab.“

In der Neunten auf der Eschenbach-Schule hatte ich richtig Ärger mit der Polizei, musste 80 Sozialstunden ableisten. Meine Lehrer haben mich echt gerettet, sie haben lange mit mir gesprochen. Ich habe meinen Erweiterten geschafft und bin auf die Friedrich-Ebert fürs Fachabi.

Das hat am Anfang ganz gut funktioniert, dann habe ich meinen Praktikumsplatz verloren. Ich habe meiner Mutter vorgespielt, dass ich noch in die Schule gehe: Morgens raus und als sie weg war, wieder nach Hause, den ganzen Tag zocken. Ich war 1,5 Jahre arbeitslos. Dann habe ich doch einen Ausbildungsplatz zum Mechatroniker bekommen. Ich habe danach mein Fachabi nachgeholt, weil ich unbedingt studieren wollte.

Als ich im ersten Jahr war, haben meine damalige Freundin und ich uns getrennt. Mir ging es richtig mies, ich hatte gar keinen Bock mehr. Aber ich habe es durchgezogen. Jetzt bin ich Elektroingenieur. Manchmal ganz ich es selber kaum glauben…“

Fatima Boui

Fatima Boui

24, Studentin

„Ich habe auf der Werner-von-Siemens meinen Realschulabschluss gemacht. Bis zur achten Klasse lief es nicht so gut, nur in meinen Lieblingsfächern Mathe, Physik und Chemie war es okay. Meine Eltern kamen vor 40 Jahren aus Marokko nach Deutschland. Obwohl sie kein Deutsch konnten, haben sie immer geholfen und gesagt, wie wichtig die Schule ist.

„Du bist die einzige Person, die dein Leben zum Positiven wenden kann.“

Und dann hat es klick gemacht. In der Zehnten war ich die Jahrgangsbeste. Ich wollte auf der Martin-Niemöller mein Abi machen. Viele Leute haben gesagt, „Du schaffst das nicht“. Aber das hat mich nur noch ehrgeiziger gemacht. Ich lasse mir von keiner Person sagen, dass ich etwas nicht schaffe. 2010 habe ich dann wirklich mein Abi gemacht. 2011 habe ich angefangen zu studieren. Physikalische Technik, als eine von vier Frauen von 50 Leuten. Auch noch mit Kopftuch. Jetzt mache ich den Master in Angewandter Physik.

Jeder kämpft irgendwann mit Schwierigkeiten, aber wenn man etwas will, kann man das schaffen. Wenn ich heute manchmal vor dem Spiegel stehe, bin ich richtig stolz. Dann kann ich sagen: „Jawoll, du hast es geschafft.“

Steven Bender

Steven Bender

30, Koch

„Ich kam 1996 auf die Eschenbach-Schule. Ich war echt kein Musterschüler, aber es lief ok. In der neunten Klasse hatte ich dann vier Fünfen. Ich wusste, wenn ich jetzt nichts ändere, dann gehe ich unter.

„Steht zu dem, was ihr gemacht habt.“

Ich habe alles versucht und einen guten Hauptschulabschluss geschafft. Dann habe ich eine Ausbildung zum Koch angefangen. Das war am Anfang richtig hart. Ich hatte keine Freizeit. Ein halbes Jahr habe ich überlegt, aufzuhören. Ich habe zwei Mal den Betrieb gewechselt. Aber ich habe es durchgezogen.

Mit 20 war ich fertig. Aber meinen ersten Job habe ich abgebrochen. Dann hatte ich keine Lust mehr, ich dachte, ich habe es nicht hinbekommen. Ein paar Monate später bin ich zur Bundeswehr gegangen, ich habe aber nach neun Monaten keine Verlängerung beantragt. Das hat mich so runtergezogen, dass ich wieder nichts hatte.

Dann habe ich 1,5 Jahre gar nichts gemacht. Irgendwann hat meine Mutter gesagt: Such dir Arbeit oder du fliegst raus. Dann habe ich einen Job bei einer Zeitarbeitsfirma bekommen. Da war ich drei Jahre. 2013 bin ich in ein richtig tiefes Loch gefallen. Ich hatte von jetzt auf gleich keinen Bock mehr, nichts. Ein Jahr später hatte ich die Schnauze voll vom Nichtstun. Glaubt mir, das macht keinen Spaß. Jetzt bin ich Objektleiter von einer Mensa in einer Frankfurter Schule.“

Muna Abdirahin

Muna Abdirahin

19, Schülerin

„Meine Mama und ich sind vor 14 Jahren aus Libyen nach Deutschland geflohen. Da war ich fünf. Wir haben in München gewohnt. Da bin ich auch eingeschult worden. Ich war die einzige Dunkelhäutige auf der ganzen Schule.

„Ich weiß, wie kostbar es ist, in die Schule gehen zu dürfen.“

In der vierten Klasse hatte ich eine rassistische Lehrerin. Die hat mir so schlechte Noten gegeben, dass ich auf die Hauptschule gehen musste. In Bayern entscheiden das die Lehrer. 2009 sind Mama und ich nach Wiesbaden gezogen. Hier leben viele Verwandte.

Ich bin in die siebte Klasse auf die Eschenbach-Schule gegangen. 2011 habe ich meinen qualifizierten Hauptschulabschluss gemacht. Ich habe mir gesagt, ich mache Schule solange weiter, bis ich nicht mehr kann. Nach dem Realschulabschluss habe ich mein Fachabi in Wirtschaft und Verwaltung angefangen.

Mein erstes Praktikum habe ich abgebrochen und musste ein halbes Jahr warten, um die Schule weitermachen zu können. Da habe ich gekellnert. Danach wieder in die Schule reinzukommen war echt schwer. Aber jetzt mache ich doch mein Fachabi. Ich habe Schule nie gemocht. Aber ich weiß, wie wichtig sie ist.“

Daniela Steiger

Daniela Steiger

26, Verkäuferin

„In der zweiten Klasse hat es angefangen, dass ich gemobbt wurde. Ich war eher ruhig und schüchtern, habe nichts gesagt.

„Mir ist es egal geworden, was andere über mich sagen.“

Zur fünften Klasse bin ich auf die Eschenbach-Schule gewechselt. Da ging das Mobben weiter. In der fünften und sechsten Klasse habe ich es noch ausgehalten. In der Siebten war ich dann kaum noch da und in der Achten habe ich abgebrochen.

Ich war dann auf der Schule für Kranke und in der Mädchenwerkstatt. 2009 habe ich meinen Hauptschulabschluss angefangen. Die Noten sind echt gut geworden. Dann habe ich eine Ausbildung als Verkäuferin begonnen. Die habe ich mit 1,5 abgeschlossen und mit Einzelhandelskauffrau weitergemacht. Während der Ausbildung habe ich noch den Realschulabschluss geschafft.

Jetzt suche ich eine neue Ausbildung, weil ich im Einzelhandel wegen meines Rückens nicht arbeiten kann.
Das mit dem Mobben hat zwar nie aufgehört, aber es ist besser geworden. Erwachsene sind da anders als Kinder. Zurückhaltend bin ich aber immer noch.“